Irgendwas mit Medien: Mediengestaltung und Fotografie

Irgendwas mit Medien – das ist ein Berufsziel, das viele junge Menschen haben. Doch was es genau werden soll, darüber sind sich die meisten unsicher. Ausbildung oder Studium? FH oder Uni? Volontariat ja oder nein? Wir stellen euch im Rahmen unserer Serie „Irgendwas mit Medien“ junge Forchheimer vor, die in der Medienbranche tätig sind. Sie verraten, worauf es ankommt, welche Ziele sie haben und ob ihre Entscheidung richtig war.

Nicole Endres (23) aus Forchheim, Mediengestalterin und selbstständige Fotografin

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Die Digicam begleitete Nicole schon zu Schulzeiten. Dass daraus einmal ein eigenständiges Business entsehen würde, ahnte die gebürtige Erlangerin, die mit 5 Jahren mit ihren Eltern nach Eggolsheim zog, damals allerdings noch nicht. Ihre Eltern waren es zwar, die sich 2010 eine Spiegelreflexkamera zulegten, doch Nicole nahm sie immer wieder mit, um zum Beispiel ihre Freundinnen zu fotografieren. Die Ergebnisse teilte sie auf ihrer Facebook-Seite.

Je näher der Schulabschluss rückte, desto mehr Gedanken machte sich Nicole natürlich um ihre berufliche Zukunft. Sie schnupperte in der Banken-Branche, im Reisebüro – doch den richtigen Ausbildungsberuf fand sie erst, als sie während der Fachoberschule ein 10-wöchiges Praktikum in der Werbeagentur Roth in Forchheim machte. Den Beruf der Mediengestalterin lernte sie schließlich in der Forchheimer Agentur Wiegärtner, die Zusage kam wie gerufen kurz vor den Abiturprüfungen. Während ihrer Ausbildung lernte sie, Produkte für alle Medienkanäle zu gestalten. Mittlerweile arbeitet sie wieder in der Werbeagentur Roth, wo der Fokus im Gegensatz zu Wiegärtner weniger auf Film, 3D-Animation und Post Production, sondern mehr auf Printprodukten liegt.

Am besten an meinem Job gefällt mir die Vielfältigkeit: Wir betreuen Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen, da wird es nie langweilig. Heute geht es um Beton, morgen um Tiere, übermorgen um Wurstwaren – in jedes Thema finde ich mich ein. Die größte Herausforderung sind spontane Aufgaben, bei denen ich flexibel reagieren muss. Ich weiß morgens nie, wann ich die Agentur am Abend verlasse. Wenn ein Kunde kurzfristig etwas braucht, wird das erledigt – auch wenn sich der Feierabend dann nach hinten verschiebt.

Zu Nicoles Arbeitsalltag als Mediengestalterin gehört auch, einschätzen zu können, welches Bild für ein Projekt passend ist oder wie es am besten bearbeitet werden muss. Da ist es praktisch, dass sie sich nebenher mit den Jahren ihr eigenes Fotografie-Business aufgebaut hat. Aus den anfänglichen Fotosessions mit ihren Freundinnen wurden 2011 erste Anfragen von „richtigen“ Kunden, 2012 begleitete Nicole ihr erstes Hochzeitspaar.

Ich habe die Fotografie in Eigenregie gelernt und nie Workshops oder so etwas besucht. Deshalb bin ich auch nicht allwissend auf dem Gebiet. Doch ich kann die Fotos machen, die mir gefallen und meinem Stil entsprechen: fröhlich, warm, natürlich, mit glücklichen Menschen.

 

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Hin und wieder hat Nicole auch mal Tiere vor der Kamera. Schönes Licht ist ihr bei den Shootings wichtig – da steht sie dann auch gerne mal ganz früh auf, um die schöne Morgensonne zu erwischen. Foto: privat

Aufträge nimmt Nicole wegen ihres Hauptjobs als Mediengestalterin nur am Wochenende an – die sind im Sommer meist proppenvoll: Paare, Freunde, Geschwister, Familien – die Kunden der Forchheimerin sind so bunt wie ihre Fotos. Paare fotografiert sie besonders gerne, weil die Interaktion zweier Menschen zu ganz besonderen Bildern führt. Aber es ist nicht für alle Menschen leicht, sich natürlich vor der Kamera zu bewegen. Doch Nicole weiß, was dann zu tun ist: viel reden, den Kunden etwas über sich selbst erzählen, nachfragen, gemeinsam lachen (zum Beispiel darüber, dass Nicole oft ein wenig tollpatschig ist, wie sie offen zugibt). Viele ihrer Kunden fühlen sich deutlich wohler, wenn sie sich vorher von einer Stylistin hübsch machen lassen. Währenddessen können sich Fotografin und Kunden schon einmal ungezwungen kennenlernen, bevor das eigentliche Shooting beginnt.

Ich finde es toll, 2 Jobs zu haben – zumal sie sich gut ergänzen. Durch meinen Job als Mediengestalterin weiß ich, wie man Dinge schön aussehen lässt. Und die Fotografie ist ein toller Ausgleich zu meinem Bürojob, weil ich einfach mal rauskomme. Aus einigen Shootings sind echte Freundschaften entstanden.

Es läuft gut für Nicole. Deswegen will sie erst einmal so weiter machen. Und natürlich dazulernen – in der Agentur und in der Fotografie. So gut wie ihre Chefin möchte sie auch einmal werden, die mit wenigen Kniffen einem Design den besonderen Schliff verleiht. Viel Übung und Erfahrung werden Nicole dort hinbringen.

Wer ins Berufsleben startet und sich für die Medienbranche interessiert, dem rate ich, auf jeden Fall Praktika von mindestens 2 Wochen zu machen. So bekommt man schon mal einen Eindruck, ob einem der Beruf überhaupt gefallen könnte. Verglichen mit einem Studium hat eine Ausbildung aus meiner Sicht einen praktischen Mehrwert. Wer flexibel arbeiten will, sollte in eine Agentur reinschnuppern, wem Routine lieber ist, der sollte es in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens versuchen.

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