En Garde: Sabrina testet Fechten

Unsere Challenge „Fit mit Schau fei“ ist in vollem Gange. Dazu gehört auch, den Schritt weg von der Couch und raus aus der Komfortzone zu wagen. Schwimmen und Joggen kann ja jeder. Deshalb hat sich Schau fei Redakteurin Sabrina einer ganz neuen Herausforderung gestellt und sich mit einem Degen bewaffnet mitten hinein gestürzt ins Abenteuer Fechten.

Schau fei Redakteurin Sabrina hat sich in Schale geschmissen und zum ersten Mal Fechten ausprobiert. Wie es war? Ganz anders als erwartet.

Ich will ehrlich sein: Meine Begeisterung für’s Fechten hielt sich in Grenzen. Wenn Fechtsport im Fernsehen lief, hat mich das nie besonders begeistert oder mitgerissen. Auf die Idee, diesen Sport auszuprobieren, wäre ich niemals gekommen. Doch weil es ja immer anders kommt als man denkt, stand ich vor einer Woche auf der Planche, der Fechtbahn. Ein Ausflug mit der Agentur, für die ich arbeite, machte es möglich – und die Spannung war enorm. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde.

Mit Rita König-Römer war ein echter Profi an meiner Seite (und ja, ich trage einen Brustschutz aus Plastik. Ist für Frauen verpflichtend 😉 )

Als Fecht-Greenhorn brauche es natürlich zunächst eine ordentliche Einweisung. Trainiert wurden wir aber nicht von irgendwem: Rita König-Römer hat meinen Kollegen und mir im Fecht-Club und Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim gezeigt, worauf es beim Fechten ankommt. Sie ficht schon seit ihrem 12. Lebensjahr. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann sie Einzel-Silber und Bronze mit der Mannschaft. Sie wurde außerdem 1995 Junioren-Weltmeisterin und 1999 Mannschafts-Weltmeisterin. Ihre Fechtkarriere hat sie mit 27 Jahren beendet und aktuell ist sie die Geschäftsführerin der Sportmarketing Tauberbischofsheim GmbH. Unterstützt wurden wir beim Training außerdem von der Nationalfechterin Anne Sauer.

Rita König-Römer:

Am Fechten fasziniert mich, dass Kopf und Körper eine Einheit werden. Wenn ich fechte, bin ich ganz bei mir. Es hat sehr viel mit Konzentration zu tun und damit, den Gegner einschätzen zu können – fast wie beim Schach. Die richtige Taktik ist essenziell.

Nach einer kleinen Aufwärm-Session zeigte uns Rita König-Römer die Basics im Fechtsport: Wie ist die Ausgangsposition? Wie bewege ich mich richtig vor und zurück? Wie mache ich einen Ausfallschritt, um den Gegner anzugreifen? Was mache ich mit der anderen Hand, die keine Waffe hält? Gar nicht so einfach, sich das alles zu merken  – und dann auf der Planche, der Fechtbahn, anzuwenden. Als nächstes übten wir an einem Kissen erst einmal den Umgang mit unserer Waffe, dem Degen. Anders als beim Florett oder Säbel darf mit dem Degen der ganze Körper getroffen werden. Wenn jemand mit voller Wucht zustößt, tut es ein klein wenig weh und am nächsten Tag findet man den ein oder anderen blauen Fleck. Aber richtig schmerzhaft ist es natürlich nicht.

Degen

Meine Waffe war der Degen, eine sogenannte Stichwaffe. Die Waffe ist mit einem Melder verbunden, der erkennt, wenn ich einen Treffer erziele. Damit muss ich mit der federnd gelagerten Spitze und einer Kraft von 750 Gramm zustoßen (und natürlich schneller sein als mein Gegner). Habe ich den Punkt gemacht, leuchtet ein farbiges Licht auf der Anzeige. Der Griff nennt sich „Pistolen-„, belgischer oder orthopädischer Griff und ist an die Hand angepasst.

Bevor unser Turnier dann endlich startete, musste natürlich noch die passende Kleidung gefunden werden. Unter diesen vielen Lage an Stoff wurde es dann sehr schnell sehr warm. Entsprechend verschwitzt und mit knallrotem Kopf beendete ich Kampf um Kampf. Aber der Reihe nach: Zunächst musste ich meine Waffe anschließen, damit meine Treffer auch gewertet wurden. Dann begab ich mich in die Ausgangsposition: seitlich zum Gegner, die Füße im 90°-Winkel und schulterbreit auseinander. In der rechten Hand wird die Waffe gehalten (weil ich Rechtshänderin bin) und die linke wird vom Körper weg nach hinten gestreckt oder auf den Rücken gelegt. Nachdem Gegner, Richter und Zuschauer gegrüßt worden waren, begann der Kampf. Er dauerte maximal zwei Minuten, was auch völlig ausreichend war. Denn Fechten ist wirklich, wirklich anstrengend, alles passiert innerhalb von Sekundenbruchteilen. Die Herausforderung ist, den Gegner möglichst schnell einschätzen und entsprechend auf seine Angriffe reagieren zu können. Dabei musste ich natürlich gleichzeitig selbst versuchen, einen Treffer zu landen. 5 Treffer brauchte es zum Sieg. Es war total spannend zu sehen, wie sich die Kollegen  auf der Bahn verhielten. Diejenigen, die sonst eher ruhig und zurückhaltend wirkten, waren auf einmal total offensiv. Der ein oder andere entpuppte sich als echtes Naturtalent (ich eher nicht).

Das richtige Outfit bzw. die Schutzkleidung darf natürlich nicht fehlen. Für Frauen ist das: ein Brustschutz, eine Fechtmaske mit Drahtgitter und Halsschutz, ein Handschuh für den Waffenarm, eine Hose, eine Jacke, Kniestrümpfe und eine Unterziehweste.

Was soll ich sagen? Es hat mega viel Spaß gemacht! Ich hätte nie gedacht, dass zwei Minuten auf dieser Bahn so unfassbar anstrengend sein können. Sobald ich die Maske übergezogen hatte, spürte ich den Adrenalin-Fluss im ganzen Körper. Obwohl es um nichts ging, war die Anspannung enorm hoch. Und der Muskelkater am nächsten Tag war auch nicht zu verachten. Ich sehe diesen Sport jetzt definitiv mit anderen Augen und es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich mich in diesem sexy Outfit und mit einem Degen bewaffnet auf die Planche begeben habe.

Als krönenden Abschluss bekommt ihr noch einen exklusiven Einblick, wie ich mich so angestellt habe (diesen Kampf habe ich haushoch gegen meine Kollegin Nina verloren. Naja, der Spaß ist ja wichtiger 😀 ) Danke an Michael für das Video.