Vanessa Bähr: die Dogwalkerin

Vanessa Bähr (27) aus Heiligenstadt ist Dogwalkerin. Was im englischsprachigen Raum ein gängiger Begriff ist, klingt für fränkische Ohren noch recht fremd. Anders gesagt ist Vanessa unter dem Namen „Zeit für Helden“ professionelle Gassi-Geherin im Forchheimer Raum. Sie führt also Hunde aus, deren Besitzer beispielsweise tagsüber wegen des Jobs keine Zeit dafür haben. Wie und warum das tatsächlich ein richtiger Beruf ist, verrät Vanessa uns im Schau fei Interview.

Schau fei: Was ist dein Job als „Dogwalkerin“?
Vanessa Bähr: Durch mein Angebot als Dogwalkerin entlaste ich Hundebesitzer, die nicht immer die Möglichkeit haben, ihrem  Hund ausgedehnte Spaziergänge, Beschäftigung sowie den Kontakt mit Artgenossen zu ermöglichen. Bei uns in Deutschland und besonders in ländlichen Gegenden gehört der Beruf des Dogwalkers aber noch eher zu den Exoten.

Welche Vorteile hat es, Hunde im Rudel auszuführen?
Durch die regelmäßigen, strukturierten Gruppenspaziergänge  werden viele Hunde ruhiger und ausgeglichener. Ängstliche oder unsichere Hunde können sich an den Selbstsicheren orientieren. Viele Hunde nehmen diese Erfahrungen aus dem Dogwalk mit nach Hause und werden sicherer im Umgang mit Artgenossen und/oder ihren Ängsten.

Wie bist du auf den Job gekommen?
Während meiner Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten und verschiedenster Tätigkeiten in diversen Hundeschulen und Tierheimen kam immer wieder die Frage nach der „geeigneten Betreuung“ für den Hund auf. Bisher war es mir nicht möglich, diese Lücke zu schließen. Durch meinen Dogwalking-Service bin ich nun profesionelle Ansprechpartnerin in Sachen Hundebetreuung. Dafür brauche ich nicht einmal ein Grundstück, da ich ja überall spazieren gehen kann. Aktuell absolviere ich zudem ein Studium beim Canis-Zentrum für Kynologie, also sozusagen Hundewissenschaft.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Um 7 Uhr beginnt mein Tag damit, mit meinen 3 eigenen Hunden eine Runde zu laufen um danach das Auto für den anstehenden Tag fertig zu machen: Leinen, Kotbeutel, Handtücher und alles Wichtige werden aufgefüllt. Ab 9 Uhr mache ich mich auf den Weg, um die Hunde für die Tour abzuholen. Da ich mit einer Gruppe von bis zu 5 Hunden unterwegs bin, dauert es etwa eine Stunde, bis alle Hunde an Bord sind. Dann machen wir uns auf den Weg ins Grüne, wo ich mit den Hunden einen 1,5 – 2-stündigen spannenden Ausflug in Wälder, Wiesen und Flur mache. Nach der gemeinsamen Tour bringe ich die Hunde wieder in ihre gewohnte Umgebung zurück, wo sie sich ausruhen können.

Was gefällt dir an dem Job?
Es ist die Kombination: die unterschiedlichsten Hundecharaktere und deren Entwicklung. So wird zum Beispiel das eher schüchterne Mauerblümchen mit jedem Mal etwas mutiger und auch der Draufgänger findet nach und nach seinen Platz in der Gruppe und genießt die entspannten Stunden. Und das alles in der herrlichen Natur um Forchheim. Es macht einfach Spaß, draußen zu sein, gemeinsam mit den Hunden Spaß zu haben und voneinander zu lernen.

Wer bucht dich und warum?
Aus unterschiedlichen Gründen ist es Menschen oft nicht möglich, selbst mit ihrem Hund laufen zu gehen: Krankheit, berufliche Veränderungen,… . Manchmal ändern sich aber auch einfach die Lebensumstände und für wieder andere ist es eine super Möglichkeit, dem Hund im geregelten Rahmen regelmäßigen Sozialkontakt zu ermöglichen. Dogwalking ist eine schöne Möglichkeit, wenn man mit seinem Hund nicht selbst laufen gehen kann oder ihm einfach etwas Gutes tun will.

Gibt es Voraussetzungen für Hunde, die du ausführst?
Grundsätzliche darf jeder Hund ein Teil der „Zeit für Helden“-Truppe werden. Ich behandle jede Kundenanfrage individuell und vereinbare vorab einen Kennenlern-Termin. Wenn sich alle Beteiligten wohl fühlen, entscheide ich, ob der jeweilige Hund in die Gruppe passt. Erfahrungsgemäß agiert eine sorgfältig zusammengestellte Gruppe insgesamt ruhiger. So kommen alle Hunde während des Ausflugs in vollem Umfang auf ihre Kosten. Eine Haftpflichtversicherung des Hundes ist Voraussetzung und läufige Hündinnen können nicht mitgenommen werden.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Ich möchte meinen Dogwalking-Service in Forchheim etablieren. Zusätzlich würde ich gerne auch Tagesbetreuung anbieten, um auch Hunden gerecht zu werden, deren Besitzer zum Beispiel erst spät abends von der Arbeit zurückkommen, sodass sie nach der „Zeit für Helden“-Gassirunde nicht noch stundenlang Zuhause warten müssen, sondern im Hundegarten Spaß haben können. Hierfür benötige ich allerdings noch ein Grundstück/Objekt. Wenn jemand etwas weiß, auf dem gewerbliche Hundehaltung möglich ist, soll er oder sie sich gerne melden.

Was war dein schönstes Erlebnis als Dogwalkerin?
Aktuell habe ich einen Hund in der Gruppe, der anfangs große Schwierigkeiten mit unbekannten Situationen hatte. Vom Abholen in der Wohnung bis hin zu den anderen Hunden in der Gruppe. Mittlerweile freut er sich schon, wenn ich komme, um ihn zu einem neuen Abenteuer abzuholen. In der Gruppe wird er von Mal zu Mal sicherer und hat schon Hundekumpels gefunden. Das Feedback der Besitzer, der Hund sei ausgeglichener und zufrieden, wenn sie von der Arbeit kommen, ist der schönste Dank. Wenn man dann noch ein Foto von einem entspannten und glücklichen Hund geschickt bekommt – was will man mehr?!

 

 

 

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