Reisen mit Airbnb – funktioniert das auch bei uns?

Hotels waren gestern. Wer modern reist, bucht mit Airbnb (urspr. Airbedandbreakfast = Luftmatratze und Frühstück) und lebt damit ähnlich wie die Einheimischen am Reiseziel. Private Vermittler aus mehr als 190 Ländern und 26.000 Städten bieten auf der Online-Plattform seit 2008 ihre Zimmer, Wohnungen oder ganze Häuser an. Ideal, wenn man beispielsweise kurzfristig zu einer wichtigen Konferenz muss, aber alle Hotels schon ausgebucht oder viel zu teuer sind. Wir haben uns gefragt: Funktioniert das auch bei uns?

Wie funktioniert Airbnb überhaupt?

Der vergleichsweise günstige Preis, die oftmals bessere Lage und der direkte Kontakt zu Einheimischen sind die Pluspunkte von Airbnb. Der Unterschied zu anderen Plattformen wie zum Beispiel booking.com ist, dass Vermieter über das Nutzerprofil sehen können, wer ihre Gäste sind bzw. wer sich für die Unterkunft „bewirbt“ und können eine Anfrage auch ablehnen. Die Preise für die Unterkunft legen die Gastgeber selbst fest, Airbnb bekommt für die Abwicklung der Buchung vom Gastgeber eine Servicegebühr von 3-5 %, je nach Stornierungsbedingungen. Auch Gästen wird bei Buchungsbestätigung eine variierende Gebühr berechnet, in der Regel 6-12 % der Gesamtsumme (Quelle: Airbnb). Gast und Gastgeber müssen ähnlich wie in Sozialen Netzwerken Profile anlegen und haben die Möglichkeit, sich nach der Reise gegenseitig zu bewerten. Auf der Liste der Kritikpunkte steht neben der Zweckentfremdung von Wohnraum auch der Datenschutz, da vor allem Gäste verpflichtet sind, viele Daten preiszugeben. Wir haben uns auf die Suche nach Airbnb-Anbietern und -Gästen in Forchheim gemacht – und sind fündig geworden.

2015: Airbnb kommt nach Forchheim

Fariba Bensing war die erste Forchheimerin, die ein kleines Gästeapartment 2015 über Airbnb angeboten hat und seitdem bei der Plattform geblieben ist. Mittlerweile gibt es rund 15 Anbieter im Landkreis. Zunächst stand die Frage im Raum, ob sie diese Wohnung dauerhaft vermieten wollen oder eben nicht. Für ihre Schwiegereltern war sie immer mal wieder auf der Suche nach geeigneten Ferienwohnungen, wenn diese zu Besuch nach Forchheim kamen. Die Erfahrungen waren durchwachsen. Mit ihrem eigenen Apartment wollte Fariba Bensing es besser machen.

Die Forchheimerin Fariba Bensing und ihr Mann sind Vorreiter in Sachen Airbnb – und selbst gerne unterwegs.

Wir sind selbst viel auf Reisen und haben schon sehr unterschiedliche Ferienwohnungen gebucht. Unsere eigene haben wir danach eingerichtet, wie wir es selbst gerne hätten.

Also gestaltete die Forchheimerin eine eigene Website und trug sich ins Gastgeberverzeichnis der Tourist-Info ein. Über einen Kollegen erfuhr Fariba Bensing dann von Airbnb und erstellte sich prompt ein Profil,  um ihre Ferienwohnung auch über diese Plattform anzubieten. Die einfache Handhabung überzeugte sie sofort.

Schöne Bilder sind sehr wichtig. Ich habe das mit einer guten Kamera alleine hinbekommen, aber wer sich da schwertut, kann über Airbnb kostenlos einen Fotografen anfordern, der die Wohnung oder das Zimmer ins rechte Licht rückt. Das finde ich echt toll.

Einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Plattformen sieht die Vermieterin auch darin, dass sie sehen kann, wer eine Buchungsanfrage stellt. Die Leute stellen sich meist persönlich in eine Nachricht vor und sagen, wo sie herkommen und welche Pläne sie für ihren Aufenthalt haben. Auf dieser Grundlage kann sich Fariba Bensing dann entscheiden, ob sie die Anfrage annimmt. Zu ihr kommen viele Gäste unterschiedlichen Alters, vor allem aus dem Ausland wie Amerika, Indien, China oder England. Zu der weniger anonymen Atmosphäre tragen auch die Bewertungen für Mieter und Vermieter bei, die für alle Nutzer sichtbar sind.

Die offenen und ehrlichen Bewertungen der Mieter sind etwas, das man in Kauf nehmen muss. Das gefällt sicher nicht jedem Anbieter. Mich persönlich motivieren sie aber, die Wohnung weiter zu verbessern. Nach der Ankunft meiner Gäste rufe ich deshalb direkt an und frage, ob alles in Ordnung ist.

Auch die Zahlungsabwicklung über Airbnb empfindet sie als Pluspunkt. In Kombination mit der App kann sie die Plattform bequem und überall nutzen. Einzig die relativ hohen Provisionen bewertet sie eher negativ. Spannend ist auch der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Plattformen Airbnb und Booking.com, da letztere für Fariba Bensing aktuell erfolgreicher ist. Denjenigen, die Airbnb als Vermietungsplattform in Erwägung ziehen, gibt sie mit auf den Weg:

Die rechtliche Lage sollte klar sein. In Städten wie Berlin ist es zum Beispiel nicht mehr erlaubt, Privatwohnungen als Ferienwohnungen zu vermieten, weil der Wohnraum so knapp ist. In Forchheim ist das zum Glück nicht der Fall. Abgesehen davon gibt es für mich keinen Grund, Airbnb nicht zu nutzen.

Irene Mattle bietet seit einem halben Jahr ihre Einliegerwohnung auf Airbnb an

Die ehemalige Leiterin der Forchheimer Tourist-Info ist ein großer Fan der Plattform Airbnb.

Die Tourismusbranche ist das Steckenpferd von Irene Mattle, ehemalige Leiterin der Forchheimer Tourist-Info. Sie reist selbst gerne und hat dabei auch schon einige Male Airbnb in Berlin und Salzburg genutzt. Als ihr Sohn dann aus der Wohnung im Untergschoss ihres Hauses auszog, stellte auch sie sich die Frage, ob ein dauerhafter Mieter die Lösung ist. Sie entschied sich für eine Vermietung auf Zeit – als Ferienwohnung über Airbnb, die Tourist-Info und Booking.com.

Die Wohnung liegt für Gäste ideal: zentrumsnah, aber auch gut angebunden an die Fränkische Schweiz und den Kellerwald. Im Mai, Juni und zum Annafest bin ich beinahe komplett ausgebucht.

Bisher hatte Irene Mattle überwiegend junge bis mittelalte Gäste aus Deutschland, ihr erster Airbnb Mieter kam jedoch aus Italien. Allesamt waren sie ruhig, nett und haben die Wohnung nach der Abreise sauber hinterlassen, wie sie zufrieden feststellt.

Die Vorteile sehe ich in der kostengünstigen und transparenten Vermittlung. Sich das Profil und die Bewertungen des anfragenden Gastes vorher ansehen zu können, ist eine tolle Sache und ein Mehrwert im Vergleich zu anderen Portalen. Außerdem bin ich flexibler, weil ich bestimmte Termine in meinem Kalender, zu denen ich nicht vermieten kann oder will, auch blocken kann.

Wo ehemals ihr Sohn gewohnt hat, können nun Gäste aus nah und fern bei Irene Mattle übernachten.

Irene Mattle hat festgestellt, dass die Reisenden, die mit Airbnb buchen, weniger anspruchsvoll und professionell sind als diejenigen, die sich ihre Unterkunft über die Tourist-Information suchen. Airbnb hat in ihren Augen eine eher  private Komponente, weshalb es die Leute auch lockerer sehen, wenn eine Wohnung nicht perfekt ausgestattet ist. Die Gäste, die zu ihr kommen, haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse:

Ich habe bisher jede Anfrage angenommen und die Erfahrung gemacht, dass viele Gäste einfach ihre Ruhe haben und nicht betütelt werden wollen. Wenn jemand fragt, gebe ich aber natürlich gerne Ausflugs- oder Restauranttipps und lege auch verschiedene Prospekte bereit.

Für Irene Mattle war es hilfreich, sich am Anfang mit erfahrenen Airbnb-Vermietern auszutauschen. Für diejenigen, die auch darüber nachdenken, ihre Wohnung, ihr Haus oder ein Zimmer über die Plattform anzubieten, hat sie noch ein paar Tipps:

Gute Fotos im Inserat sind das A und O. Schlechte Qualität oder ein ungünstiger Blickwinkel schrecken Mieter eher ab, obwohl das manchmal gar nichts über die Ferienwohnung aussagt. Die Airbnb App auf dem Handy nutze ich ständig, denn darüber kann ich schnell reagieren und direkt antworten, wenn jemand meine Wohnung buchen will.

Top oder Flop: Was sagt eigentlich die Stadt Forchheim zu Airbnb?

Einige Städte sehen Airbnb durchaus kritisch, weil Hotels und klassische Ferienanlagen möglicherweise einen Nachteil erfahren oder weil manche Vermieter nicht in gleichem Maße Steuern und Tourismus-/Fremdenverkehrsabgaben abführen. Andererseits ist es ein neuer Weg, Gäste in die Stadt zu bringen. Wir haben bei Nico Cieslar, Chef der Forchheimer Tourist-Information, nachgefragt:

Airbnb ist ein extrem schnell wachsendes Netzwerk, durch das Gäste direkt auf Forchheim aufmerksam werden und einfach ihre Unterkunft buchen können. Der Nachteil dabei ist, dass so immer mehr Anbieter von Ferienwohnungen und anderen Unterkünften Airbnb nutzen und der Stadt dadurch ein Teil der Einnahmen fehlen, die sie für Marketingzwecke einsetzt. Der Tourismus vor Ort wird also nicht mehr so stark mitfinanziert wie bisher. Dennoch sehe ich Airbnb im Großen und Ganzen durchaus positiv. In Forchheim haben wir ja zum Glück nicht den Fall, dass ganze Wohnanlagen durch Airbnb beinahe zu Hotelbetrieben umfunktioniert werden – in Berlin und anderen Großstädten wird das immer mehr zum Problem für Wohnungssuchende

Ab in den Urlaub: Forchheimer, die mit Airbnb gebucht haben:

Alexandra Richter-Woite (Frau Herz Fotografie):

Foto: Marina Scholze Photography

Ich nutze Airbnb sehr viel für meine spontanen Reisen in Deutschland und im Ausland. Was ich dabei besonders mag, ist der direkte Kontakt zu Einheimischen. Die besten Restaurants, Spots oder Eisdielen, die nach 22 Uhr noch Pistazieneis haben, können einfach nur Menschen empfehlen, die ihre Heimat richtig gut kennen. Es ist für mich so viel persönlicher als Hotels. Fast ein Stück weit verwurzelt und heimatverbunden. Und das nur, weil die Gastgeber so viel Wert darauf legen, dass ich mich wie zuhause fühle.

Sabrina Friedrich (Schau fei Redakteurin):

Ich habe dieses Jahr erstmals Airbnb getestet. Für einen Wochenendtrip nach Hamburg war ich auf der Suche nach einer Unterkunft, doch wegen des Hafengeburtstages Anfang Mai war schon vieles ausgebucht oder extrem überteuert. Deshalb habe ich mich spontan bei Airbnb angemeldet und dort gesucht. Ich habe schnell ein tolles Zimmer in einer zentral gelegenen Altbauwohnung gefunden. In wenigen Minuten konnte ich zu Fuß den Hamburger Michel, die Einkaufsstraßen und den Hafen erreichen – einfach perfekt und noch dazu sehr günstig. Mein Vermieter war auch super nett und hilfsbereit. Er hat uns gleich ein geniales Frühstückslokal um die Ecke empfohlen. Für mich steht fest: Das war nicht meine letzte Buchung mit Airbnb.