Cosplay – die Liebe zum Kostüm

Es war ein kurioses Bild, das sich da vor wenigen Wochen im Kellerwald bot: Eine junge Frau mit pinkem Oberteil, Katzenohren und pink gestreifter Haut strich durch das Dickicht. Manch ein Kellerwald-Besucher fühlte sich sofort an die Grinsekatze aus dem Film „Alice im Wunderland erinnert“. Doch was blieb, war die Frage: Wieso macht man das? Dabei ist der Grund eigentlich ein ganz einfacher: Marina Knauer (29) aus Buckenhofen liebt Verkleidungen. Und ihr Hobby ist Cosplay.

 

Schau fei: Könntest du kurz erklären, was Cosplay ist?
Marina: Cosplay ist ein Kofferwort, welches sich aus den englischen Begriffen „costume“ und „play“ zusammensetzt und mit „Kostümspiel“ übersetzt werden könnte. Ziel beim Cosplay ist es, Charaktere aus Anime, Film, Serie, Spiel, Comic oder gar Buch möglichst originalgetreu nachzustellen. Dazu gehören natürlich vor allem Outfit, Frisur, Make-up etc., aber z.B. auch Gestik, Mimik, Ausdrucksweise und solche Dinge. Genau das ist für mich das Schöne am Cosplay: dass es – je nach Lust und Laune – ein sehr handwerkliches Hobby sein kann und viele Fertigkeiten vereint: Nähen und Schneidern, Make-up-Art und Bodypainting, Waffen- und Rüstungsbau mit den verschiedensten Materialien… Alles kann, nichts muss quasi.

Seit wann machst du Cosplay und wie bist du dazu gekommen?
Ich nenne mich seit ca. vier Jahren Cosplayer, wobei ich mich schon sehr viel länger gerne verkleide. Seit ich denken kann, sind Fasching und Halloween meine Lieblingsjahreszeiten, aber es hat recht lange gedauert, bis mir eines bewusst wurde: Während sich andere als Biene verkleiden würden, wäre ich Biene Maja und anstelle irgendeines Piraten wäre ich Captain Jack Sparrow. Erst später, als ich an der Uni Bayreuth eine Cosplayerin kennenlernte, habe ich durch Zufall entdeckt, dass man aus dieser kleinen Leidenschaft tatsächlich ein Hobby machen kann.

Was fasziniert dich daran?
Besonders beeindruckend finde ich solche Cosplayer, die mit viel Liebe, großem Geschick, vermutlich noch größerer Geduld und vor allem teilweise richtig technischem Verständnis die aufwändigsten Kostüme basteln und zum Leben erwecken. (Google z.B. mal nach „Groot Cosplay“, darüber bin ich letztens erst gestoßen, oder allgemein nach „Cosplay Robot“)

Wie entstehen deine Kostüme?
Seinen Ursprung hat Cosplay in der asiatischen Anime- und Manga-Szene, wo es sogar eher unüblich ist, Kostüme selber herzustellen; sie werden stattdessen geliehen. In Deutschland hingegen, wo die Cosplay-Szene noch ziemlich jung ist, ist dieses Vorgehen wie auch der Kauf von Kostümen eher verpönt. Hier liegt – meinem Gefühl und Eindruck nach – der Fokus eher auf der Arbeit an den Kostümen. Ich selber gehe einen Mischweg. Da ich leider weder nähen noch schreinern kann (zumindest noch nicht), stelle ich meine Kostüme aus fertigen Einzelteilen zusammen. Dabei bediene ich mich teilweise dem, was wir zuhause so rumfliegen haben, und kaufe den Rest dazu. Das wird dann alles meistens noch im kleinen Rahmen angepasst, also nicht komplett umgenäht, aber hier mal angemalt oder da mal etwas angenäht oder zusammengebastelt. Mein persönlicher Fokus liegt insgesamt aber auf der Make-up-Art. Nach diesem Aspekt wähle ich auch oft meine Kostüme: Wenn mir ein besonderes Make-up auffällt, ist der Reiz schon groß, mich selbst daran zu versuchen.

Welche Kostüme hast du und welches ist dein Favorit und warum?
Schwierig. Wirklich schwierig. Mein aktuelles Kostüm-Repertoire umfasst u.a. Nina Sayers (Black Swan), Marge Simpson (The Simpsons), Annie (League of Legends), Maleficent (Maleficent), Cheshire Cat und Verrückter Hutmacher (Alice im Wunderland), Ginny Weasley (Harry Potter), Olivia Moore (iZombie), Cruella de Vil (101 Dalmatiner), Emily (Corpse Bride), Holly Golightly (Breakfast at Tiffanys), Ellie Fredricksen (Up). Daraus meinen Favoriten zu wählen, ist fast unmöglich. Es gibt verschiedene Gründe, warum sich ein Cosplayer für einen Charakter entscheidet. Bei mir ist es (wie oben schon erwähnt) oft das Make-up, das mich an der Umsetzung eines Charakters reizt. Wenn ich mich dann auch noch mit einzelnen Charaktereigenschaften identifizieren kann, ist das Favoritenpotential schon groß: der krankhafte Perfektionismus von Nina Sayers, die unscheinbare Gutmütigkeit von Maleficent, die liebenswerte „madness“ des Hutmachers, die verrückte Leichtigkeit der Grinsekatze… Das macht einfach Spaß!

Bist du auch auf Cosplay Events? Wenn ja wo und wie läuft so was ab?
Soweit ich weiß, sind die Frankfurter Buchmesse und die Gamescom in Köln die zwei größten Conventions in Deutschland, es gibt aber inzwischen auch schon viele kleine, lokale Veranstaltungen (z.B. die Franken Con und die FrankenMEXX). Dort haben Cosplayer die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen und ihre Kostüme zur Schau zu stellen. Soweit ich das mitbekommen habe, sind dort auch meistens Cosplay-Fotografen unterwegs…auf der Suche nach tollen Motiven. Noch eine Sache, die ich am Rande mitgekriegt habe: Inzwischen sind die Regelungen, was die Mitnahme von Props angeht, wohl sehr streng (dürfen z.B. nur aus einem bestimmten Material sein und eine bestimmte Größe nicht überschreiten etc.).

Kennst du andere Cosplayer aus der Gegend?
Durch die Cosplay Werkstatt habe ich einige Cosplayer kennen gelernt und durch diese wieder andere. Leider sind sie alle aber doch recht weit verstreut und ich habe eher spärlichen Kontakt mehr zu ihnen. Aus Forchheim z.B. kenne ich niemanden.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Die Inspiration kommt aus einem Mix der oben genannten Punkte, wie zum Beispiel Motivation durch Herausforderung, meinem Hirn und Google (lacht).

Schaut doch mal auf Marinas Instagram-Account vorbei!

Wer sich für die Themen Cosplay, Mangas und Animes interessiert, dem empfehlen wir einen Besuch auf der FrankenMEXX am 30. September 2017 in Nürnberg!