Ehe für alle – das sagen die Forchheimer

Seit letzten Freitag ist es offiziell: Die Ehe für alle ist durch. Mit großer Mehrheit wurde dieser Meilenstein im deutschen Bundestag beschlossen. Damit dürfen nun auch homosexuelle Paare den Bund der Ehe eingehen. Die Mehrheit von SPD, Linken und Grünen sowie knapp ein Viertel der CDU/CSU-Fraktion stimmten für die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Wir haben die Forchheimer nach ihrer Meinung zu diesem historischen Ergebnis gefragt.

Leonie Christel und Jürgen Kampf, seit 8 Jahren ein Paar:

Foto: Privat

Wir beide sind der Meinung, dass die Ehe für alle eine sehr gute Sache ist, die schon seit langer Zeit überfällig war. In einer Ehe sollte es nicht um irgendeine Genderrolle gehen, die man zu erfüllen hat, sondern nur darum, dass zwei Menschen sich lieben und sich dementsprechend – auch rechtlich – vereinen dürfen.

Wir freuen uns sehr, dass wir diese historische Entscheidung miterleben können, auch wenn wir es als eine Unverschämtheit empfinden, dass die großen Parteien sich nur zu solchen Veränderungen bewegen lassen, wenn es um Wählerstimmen geht. Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich die Ehe für alle schon lange, doch so etwas wird nie berücksichtigt, wenn man nicht gerade auf Stimmenfang aus ist.

Was wir auch noch dazu sagen möchten, ist, wie heuchlerisch wir die Meinung der (katholischen) Kirche zu diesem Thema empfinden: Auf der einen Seite wird stets von (Nächsten-)Liebe gepredigt, auf der anderen Seite werden die eigenen Werte verraten, indem dann plötzlich aufgrund eines veralteten Weltbildes wieder zwischen Mensch und Mensch unterschieden wird.

Ein Schaubild, das wir heute auf der Website einer seriösen Zeitung gesehen haben, zeigt, dass ca. ein Drittel der CDU/CSU entgegen der allgemeinen Parteilinie mit Ja gestimmt hat, was unserer Meinung nach außerdem beweist, was es ausmachen kann, wenn Abgeordnete bei solch wichtigen Entscheidungen außerhalb der Vorgaben ihrer Partei abstimmen dürfen.

Also, alles in allem: eine wirklich großartige Sache, wir sind der Freiheit und Gleichheit aller Menschen wieder ein kleines Stück näher gekommen!

Judith und Matthias Erlwein, seit Juni 2017 verheiratet:

Foto: Privat

Wir freuen uns, dass jetzt uneingeschränkt jeder den Partner, den er liebt und mit dem er sein Leben verbringen möchte, heiraten darf, ohne rechtliche und namentliche Unterschiede.

 

Andreas Hellmann, seit 1,5 Jahren mit seinem Partner zusammen:

Foto: Pepper Arts – Andreas Hellmann Fotografie

Bis vor etwa anderthalb Jahren war ich der ewige Single, der nie etwas Ernsthaftes auf die Reihe gebracht hat. Und ich war gerade an dem Punkt, an dem ich mich damit abgefunden habe. Genau in dem Moment kam da auf einmal ein Typ, der es irgendwie mit mir ausgehalten hat, egal wie verkorkst ich auch sein mag. Und mit einem Mal war dieses ganze „zusammenziehen und irgendwann mal heiraten“ gar nicht mal mehr so unvorstellbar. Zusammengezogen sind wir nun schon seit einer ganzen Weile. Eine Ehe… tja, die war in dem Sinn nicht drin, immerhin ist er ja ein Mann und keine Frau.

In jeder Saison stehe ich als Fotograf auf ich weiß nicht wie vielen Hochzeiten, darf das glückliche Paar an seinem besonderen Tag begleiten und liebe diese Jobs. Zwangsläufig schießt einem dabei auch immer wieder mal das Bild in den Kopf, wie man selbst dort vorne steht und den Bund der Ehe schließt – ach nein, warte, Andi. Zurück auf den Boden der Tatsachen. Dein Jan ja ist ein Mann, Ehe dürfen nur Mann und Frau. Mist.

Und zu allem Überfluss zu all den schrägen Blicken, dem Getuschel oder gar den Beleidigungen auf der Straße, werden einem dann auch noch auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken Seiten lange Diskussionen vorgehalten, in welchen Menschen darüber diskutieren, ob deine Liebe nun wirklich gleichwertig ist mit der von Heteros. Oder anders gesagt: Ob du wirklich so viel wert bist, wie jemand, der auf das andere Geschlecht steht. Menschen, die dich zum Teil noch nie gesehen haben, und – für mich noch viel schlimmer – Menschen, die man sogar persönlich kennt.
Da man aber leider nicht alleine die Welt verändern und jedem dieser Kandidaten eine auf’s Maul geben kann, schluckt man viel Wut eben runter.

Was mich an dem Abstimmungsergebnis freut?
In erster Linie natürlich, dass ich mich endlich ein großes Stück mehr gleichwertig fühlen kann. Was mich aber auch freut, ist, dass IHR, all die Leute, die so viel Energie aufgebracht haben, um zu verhindern, dass ich vor dem Gesetz gleichwertig sein darf, nun offiziell in der Minderheit seid. Ihr, egal ob da oben in der Politik oder ob (aus irgendeinem Grund)  in meiner Facebook-Freundesliste. Ihr seid die Minderheit. Ihr seid ein kleiner Kreis. Ihr habt für die falsche Seite der Geschichte gekämpft. Wenn es in einigen Jahrzehnten gar nicht mehr vorstellbar ist und Kinder verwirrt fragen, ob vor 2017 wirklich nur Männer und Frauen eine Ehe eingehen durften, dann seid IHR diejenigen, die damit leben müssen, falsch gelegen zu haben und anderen Leuten ihr Glück verbieten zu wollen. Und zu wissen, dass ihr damit leben müsst, das beruhigt mich.  Ich muss eure Meinung nicht respektieren. Ihr habt gegen meine Rechte gekämpft, ihr habt keinen Respekt verdient. Danke an all die anderen Leute, die für dieses Recht gekämpft haben und die sich für uns freuen, obwohl sich für sie selbst vielleicht gar nichts geändert hat.