Was ich als Außenstehende auf einem Schwarze-Szene-Festival gelernt habe

Schau fei Redakteurin Sabrina ist ein Festival Greenhorn. Sie war erst auf einem, von dem ihre erfahrenen Festival-Freunde jedoch sagen, dass es aufgrund der geringen Größe nicht zählt. Nun ja, alle die schon einmal beim Open Air am Berg in Eichstätt waren, sehen das sicher anders, aber lassen wir das. Für die ultimative Festivalerfahrung hat sich Sabrina also in den hohen Norden auf das Schwarze Szene Festival „M’era Luna“ begeben – und dabei einiges gelernt!

M’era Luna
Das M’era Luna findet seit 2000 jedes Jahr im August auf einem Flugplatz in Hildesheim statt. Mit jährlich mehr als 20.000 Besuchern gehört es zu den größten Alternative-Musik- und Schwarze-Szene-Festivals in Deutschland. Die Musikgenres des Line-up reichen von Elektro und Mittelalter-Rock über Metal und Alternative Rock bis hin zu Synth Rock und Gothic.

Willkommen im Dreck! Schau fei Redakteurin Sabrina stilecht mit Festival-Schlamm-Stiefeln.

  1. Müllsäcke retten Leben
    Das tun sie wirklich! Vor allem, weil sie so vielseitig einsetzbar sind: Man kann in ihnen Pfand sammeln, Abfall entsorgen, sie zum Regenponcho umfunktionieren oder damit das einwandige Zelt abdecken, um nicht abzusaufen. Daumen nach oben für so viel Sinn!
  2. Klapp-Bollerwagen sind Gold wert
    Gelacht habe ich, als wir das Ding in den Kofferraum gepackt haben. Geweint hätte ich fast, als wir aufgrund der starken Regenfälle ca. 2 Kilometer vom Festivalgelände entfernt parken und den ganzen Weg samt Gepäck zu Fuß gehen mussten. Aber Bollerwagen sei Dank, war es dann nur halb so schlimm. Am Ende hätten wir uns jedoch Kufen gewünscht, um das Ding durch den Schlamm ziehen zu können.
  3. Man kann nie genug Klebeband dabei haben
    Ist wahrscheinlich die bekannteste Festival-Regel. Egal ob Klappstuhl, Zeltwand, Pavillon oder Springerstiefel: Es gibt nichts, was man nicht mit etwas Gaffa-Tape reparieren kann.
  4. Die Besucher tragen nicht umsonst Springerstiefel
    Ich dachte ja, Springerstiefel sind auf Schwarze-Szene-Festivals eine Art Fashion-Statement. Denkste! Wo Turnschuh und Gummistiefel versagen, sind ein paar festgezurrte Springer noch in der Aufwärmphase. Regen, Matsch, Müll, Menschenmengen – alles kein Problem. Und ich bin heilfroh, dass ich aus Solidarität und um nicht noch mehr aufzufallen (ich sag nur rote Regenjacke) auch in ein Paar Dr. Martens investiert habe: Meine Füße sind trocken geblieben und ich habe beim Kampf im Matsch keinen Schuh eingebüßt. Sind eigentlich ganz schön, die Dinger. Nur sauber kriegen muss ich sie noch irgendwie.
  5. Die sind ja gar nicht alle böse oder traurig
    Ich weiß schon, Klischee-Alarm. Schwarz = Emo und so. Ist nicht der Fall :D! Die meisten Festival-Besucher aus der Schwarzen Szene sehen zwar ziemlich skurril, lustig, gruselig und manchmal auch etwas lächerlich (alles eine Frage des Geschmacks) aus, aber sind total friedlich. Sie sind super offen, witzig, hilfsbereit und enorm kreativ, was sie schon mit ihren Outfits beweisen. Wie man sich kleidet, steht ja zum Glück jedem frei und wer nicht auf Nieten, Kunstgeweihe, Springerstiefel oder Piercings steht, kann ja auch einfach ’ne Jeans anziehen.
  6. Es ist nicht alles schwarz, was glänzt
    Klar, fast alle sind in schwarz gekleidet, hier und da sieht man mal ein paar bunte Details. Ich bin mit meiner knallroten Regenjacke richtig herausgestochen, so war ich für alle überall gut zu finden – hat auch seine Vorteile. Die Zelte sind in Sachen schwarz aber eine große Ausnahme. Die sind wirklich kunterbunt, selbst auf einem Schwarze-Szene-Festival. Ob sich da gerade eine Marktlücke auftut? Naja, wahrscheinlich würde dann niemand mehr sein Zuhause finden.
  7. Kein Strom? Kein Problem!
    Eines der wenigen Konzerte, die ich gesehen habe (ok, das einzige), war das von ASP (sprich: Asp, nicht A S P. Kenner wissen so was natürlich). Kurz nach Start fiel direkt der Strom aus – für satte 20 Minuten. Doch statt auszurasten oder auf die Techniker zu schimpfen, blieben alle ganz entspannt, warteten geduldig bei einem Bierchen und freuten sich dann umso mehr, als es endlich weiterging. Auch ein heftiger Regenschauer änderte daran nichts. Ach, wo wir gerade dabei sind…
  8. Es gibt kein schlechtes Wetter. Oder doch, eigentlich schon…
    Glaubt mir, 3 Tage Dauerregen, Mini-Überschwemmungen, undichte Zelte, klamme Klamotten und Wege, die sich in Knöcheltiefe Sümpfe verwandeln, drücken dezent die Stimmung. Doch: Die Jungs von ASP haben sich ein Herz genommen und die Hälfte ihrer Merchandise-Einnahmen an die seit Wochen von Unwettern und Überschwemmungen gebeutelte Region um Hildesheim gespendet. Die M’era Luna Veranstalter legten die gleiche Summe noch einmal oben drauf. Hut ab!
  9. Vergesst Ravioli und 5-Minuten-Terrinen!
    Es leben die Food-Stände! Die Zeiten von latschigen Pommes sind längst vorbei: Stattdessen gibt es von vegangen Snacks und mittelalterlichen Köstlichkeiten über Pulled Pork und Süßkartoffel-Pommes bis hin zu Frozen Yoghurt und Fudge alles, was das Foodie-Herz begehrt… Lecker!