Zu viel, zu hoch, zu intensiv? Der Wahlplakate-Overkill

Achtet doch mal ganz bewusst bei der nächsten Fahrt mit dem Auto durch Forchheim auf die Wahlplakate. An Laternen, Ampeln, Pfosten und in Bäumen – man hat fast das Gefühl, die hängen überall! Gerade die Hauptverkehrsstraßen in Forchheim, Äußere Nürnberger Straße, Bamberger Straße, Bayreuther Straße oder Adenauer Allee wirken ein wenig zugepflastert. Viel zu viele, viel zu hoch, einfach way too much? Ein Plakat-Overkill? Oder muss das einfach so sein? Plakate einfach abzureißen kann auf jeden nicht die Lösung sein…

Ein kleiner Hinweis zu Beginn: Nein, das ist kein politischer Artikel, der irgendeine Partei bevorzugen oder benachteiligen will. Ja, wir sind ein politisch neutraler Blog. Aber wir wollen trotzdem mal ein paar Dinge in Frage stellen…

Am 24. September ist Bundestagswahl und seit letzter Woche hängen und stehen die Plakate der Parteien und Bundestagskandidaten auch bei uns im Landkreis. Scheinbar ÜBERALL… Uns ist klar, dass durch Plakatwerbung ein Großteil der Aufmerksam gewonnen wird und das Parteien und BundestagskandidatInnen auf diese Aufmerksamkeit angewiesen sind. Immerhin ist eine Wahl immer auch eine Art Wettstreit – aber müssen das gleich so viele sein? Es gibt Straßenzüge in Forchheim, da ist keine Laterne unbesetzt, teilweise hängen von einer Partei an fünf oder sogar sechs (ja, wir haben gezählt!) Laternen hintereinander Plakate. Das muss doch echt nicht sein!

Wenn man mal genauer auf die Plakate achtet, fallen folgende Dinge auf: Es gibt Parteien (wir nennen keine Namen), bei denen man merkt, dass sich gute Leute mit dem Design der Plakate auseinander gesetzt und bei der Verteilung der Plakate auf ausgewählte Orte  fokussiert haben. Sie wollen mit Positiv-Statements auf sich aufmerksam machen. Dann gibt es Parteien, die sich dringend bessere GrafikerInnen und TexterInnen anschaffen sollten, denn solche nichtssagenden Plakate könnte man sich auch sparen und dadurch die Umwelt schonen. Und zuletzt gibt es Parteien (auch hier wollen wir keine Namen nennen) die durch teils diskriminierende Darstellungen und mit Masse statt Klasse für sich werben.

Was wir daran bedauerlich finden? Mehrere Dinge: Zunächst einmal: Was muss da nur für Geld drinstecken? Das ließe sich doch deutlich besser anlegen. Wir leben im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter des Internets. Da hätten doch auch Parteien noch ungenutze Möglichkeiten, um besser und näher an vor allem junge Leute mit dem Thema Politik und Wahl heranzutreten.

Zweitens bekommen Parteien, die viel Geld in die Plakatierung stecken, auch mehr Aufmerksamkeit. Der Wahlerfolg und die finanziellen Mittel hängen direkt zusammen. Das ist wie im Profifußball. Wer mehr Geld hat, kauft die besseren Spieler und gewinnt dadurch mehr und so weiter. Ihr erkennt das Muster… Der Wahlkampf wird also, wie so vieles in dieser Welt, nach dem Kapital entschieden. Ist das noch fair? Kann so eine Wahl wirklich gerecht, gleich und frei sein?

Und drittens scheint die Plakatierung gewisser Parteien einen solchen Groll bei manchen Menschen hervorzurufen, dass sie sich dazu hinreißen lassen, die Plakate abzureißen oder zu beschädigen. Diese Parteien scheinen schon zu wissen, warum sie ihre Plakate sehr weit oben an den Pfosten hängen. Gerade weil diese Plakate so präsent sind, scheint das die Aggressionen mancher ForchheimerInnen erst recht zu schüren. Und auch wenn wir das wütende Gefühl bei den Plakaten gewisser Parteien nachvollziehen können, so kann das Abreißen doch nicht die Lösung sein. Also, was tun?

Wählen gehen natürlich! Für Parteien, die ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen. Für KandidatInnen, die keine diskriminierenden Sprüche brauchen, um für sich zu werben. Für Parteien, die nicht in erster Linie auf das Zupflastern der Städte mit Plakaten angewiesen sind, sondern tatsächlich konkrete und umsetzbare Inhalte liefern.

Also Leute, geht am 24. September wählen!