Wir machen uns selbständig

Die Forchheimerin Daniela Heidrich und die Kronacherin Carolin Gareis haben wie viele Studenten jede Menge Zeit und Energie in ihre Bachelorarbeit gesteckt.  An der Zuyd Hogeschool in Heerlen (Niederlande) haben die beiden bis 2015 das Fach Ergotherapie studiert. Damit die Ergebnisse der durchgeführten Studie nicht bis in alle Ewigkeit in einem Unischrank verstauben, beschlossen die beiden, aus ihrem in der Abschlussarbeit entworfenen Konzept für betriebliche Gesundheitsförderung ein eigenes Business zu machen. Neben ihrem Hauptjob als Ergotherapeutinnen arbeiten sie nun an „Santeba“. Ein Gespräch über den Wunsch, etwas eigenes auf die Beine zu stellen, die Hürden eines Startups und den perfekten Arbeistplatz.

Schau fei: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, aus eurer Bachelorarbeit heraus zu gründen?
Daniela: Wir hatten nach der Abschlussarbeit viel Zeit, um durchzuschnaufen. Doch schon nach kurzer Zeit wurde uns langweilig und wir beschlossen, etwas aus den Ergebnissen unserer Abschlussarbeit zu machen. Also sind wir noch einmal auf die Firma zugegangen, für die wir im Studium die Studie konzipiert hatten. Wir wollten uns an die konkrete Umsetzung im Unternehmen machen.
Carolin: Das kam dann zwar nicht zustande, doch während dieser Zeit und durch den Anstoß von Danielas Burder wurde dann die Idee für „Santeba“, unser Business für individuelle betriebliche Gesundheitsförderung, geboren. Investoren haben wir keine, aktuell investieren wir ja hauptsächlich unsere Freizeit. Wir haben dann unsere Arbeitgeber informiert und uns überlegt, was wir konkret anbieten wollen.

Was ist eure Geschäftsidee?
Carolin: Auf der Basis von wissenschaftlich erhobenen Daten entwerfen wir ein individuelles Konzept für die betriebliche Gesundheitsförderung in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Dafür betreiben wir qualitative Forschung direkt vor Ort im Unternehmen und Hand in Hand mit den Mitarbeitern.
Daniela: Auf Wunsch begleiten wir das Unternehmen dann auch bei der Umsetzung. Zusätzlich zur Ergotherapie haben wir auch unseren Rückenschullehrer gemacht und können deshalb ein großes Spektrum der Umsetzung selbst anbieten. Bei speziellen Anforderungen, die wir nicht selbst erfüllen können, holen wir uns Experten ins Boot.

Worauf kommt es euch dabei am meisten an?
Carolin: Wir möchten jedem Unternehmen individuell genau das geben, was es wirklich braucht und darauf aufmerksam machen, dass es keine Universallösung gibt. Jeder einzelne Mitarbeiter und jede einzelne Meinung zählen für den wirtschaftlichen Erfolg.

Welche Schritte folgten nach der Gründung?
Daniela: Nachdem Name und Website standen, haben wir unsere Visitenkarten gestaltet und sind auf das Netzwerktreffen des Vereins „Bamberg Startups“ gegangen, um Kontakte zu knüpfen. Wir haben dann auch den ersten Auftrag einer Firma bekommen, die ergonomische Schulmöbel herstellt. Das ging schon in die richtige Richtung.

Ihr wohnt in Erlangen und Kronach – wie managt ihr euer Business?
Daniela: Ich bin eher bei den Unternehmen vor Ort präsent und betreue die Durchführung, während sich Caro um die Auswertung und die Abläufe im Hintergrund kümmert.

Was war die größte Herausforderung nach der Gründung?
Carolin: Definitiv der Papier- und Gesetzeskram! Das Gesundheitssystem in Deutschland ist kompliziert aufgebaut und es gibt eine Menge zu beachten. Dann wohnen wir auch noch ein gutes Stück auseinander und die Integration von „Santeba“ in eine 40-Stunden-Woche erfordert auch ein gutes Zeitmanagement.
Daniela: Die nächste Hürde war: Wie machen wir uns bekannt? Es ist schwierig, an die ersten Kunden und somit an Referenzen für weitere Projekte zu kommen. Das Thema betriebliche Gesundheitsförderung ist bei uns noch recht neu und viele Arbeitgeber kennen ihre Möglichkeiten nicht.

Woran liegt das?
Daniela: Gerade kleine und mittelständische Unternehmen trauen sich nicht an das Thema heran, weil sie  denken „Das brauchen wir nicht“ oder „Das kostet doch nur Geld“. Sicher ist es am Anfang eine Investition und Erfolge sind nicht von heute auf morgen sichtbar. Doch betriebliche Gesundheitsförderung hat langfristig gesunde, glückliche und damit auch leistungsstärkere Mitarbeiter zum Ziel.
Carolin: Es geht nicht darum, Schäden zu beseitigen, sondern vorzubeugen, egal in welchem Alter. Deshalb sollten Unternehmen sich frühzeitig mit dem Thema befassen und nicht erst, wenn Probleme auftreten. Deshalb wollen wir schon bei Berufsanfängern ansetzen, damit Erkrankungen gar nicht erst entstehen.

Was kann ich denn tun, wenn mich mein Job an den Schreibtisch fesselt?
Carolin: Bewegung ist das Zauberwort! Es hilft ungemein, die Arbeitsposition so oft es geht zu verändern: immer mal wieder aufstehen, persönlich zum Kollegen gehen, statt anzurufen, mal zum Mülleimer oder Drucker laufen usw.
Daniela: Man sollte sich auf Arbeit eine Wohlfühlatmosphäre schaffen: Blumen, Bilder der Familie oder eine schöne Einrichtung helfen dabei. Zudem sollte man die Höhe des Tisch, des Stuhls und des Computerbildschirms individuell verstellen können.

Klingt nicht allzu schwer. Warum haben trotzdem so viele Büroarbeiter Probleme mit Rücken & Co.?
Daniela: Viele trauen sich nicht, das Thema anzusprechen oder Maßnahmen einzufordern. Schon ein ergonomischer Stuhl kann Wunder wirken! Ein Gesundheits- oder Sicherheitsbeauftragter als Ansprechpartner in solchen Fragen ist leider keine Selbstverständlichkeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Manche Maßnahmen werden sogar von der Renten- oder Krankenkasse übernommen, wenn eine medizinische Begründung vorliegt. Der Betriebsarzt kann hier weiterhelfen!
Carolin: Es ist ganz klar auch die Initiative des Arbeitgebers gefragt. Ich war mal in einem Unternehmen, in dem automatisch auf allen Bildschirmen in bestimmten Zeitintervallen die Aufforderung zu einer kleinen Gymanstikeinheit kam. Ein Männchen hat die Übung vorgemacht und jeder Mitarbeiter musste mitmachen. Das ist nicht viel Aufwand und trotzdem extrem motivierend. Im Arbeitsstress vergisst man es sonst leicht.

Wie wollt ihr mit „Santeba“ weiter vorgehen?
Carolin: Wir schauen, wie sich die Auftragslage entwickelt und lassen alles auf uns zukommen. Vielleicht wäre es aber auch besser, sich konkrete Ziele zu setzen, um die Pausen nicht zu lang werden zu lassen und nicht Gefahr zu laufen, sich auf unseren Hauptjobs auszuruhen.

Was möchtet ihr in einem Jahr erreicht haben?
Daniela: Ich möchte gerne meine Stunden in der Klinik, in der ich gerade in der Neurologie arbeite, reduzieren, um mich 2 volle Tage um „Santeba“ zu kümmern. Ich wünsche mir Aufträge, in die wir unsere ganze Energie und Ideen stecken können.
Carolin: In einem Jahr 1-2 feste Kunden zu haben, die wir auch bei der Umsetzung begleiten, wären toll.

Was sind eure Top 3 Tipps für alle, die sich (nebenbei) selbständig machen möchten?
Daniela: Durchhalten und nicht aufgeben, auch wenn aller Anfang schwer ist! Außerdem ist Kommunikation sehr wichtig – es hilft, zu netzwerken und sich auch mal mit Leuten aus anderen Branchen auszutauschen.
Carolin: Und den Spaß dabei nicht zu verlieren!